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Tierhalter haftet für Schäden auch in fremder Betreuung

BeitragVerfasst: 10. Aug 2012 09:08
von Gerda
OLG Celle Az: 20 U 38/11

Der Fall:
Ein Schäferhund wurde in die Kleintierklinik gebracht und für die Behandlung narkotisiert.
Beim Erwachen biss das Tier den Tierarzt und verursachte schwere Verletzungen.

Der Tierarzt verlangte erheblichen Schadensersatz und Schmerzensgeld.
Die Hundehalterin meinte, für die Schäden nicht enstehen zu müssen, weil sie nicht auf ihren Hund Einfluss nehmen konnte.

Doch allein der Umstand, dass der Halter sein Tier zum Zweck der Behandlung oder ähnliches in die Obhut einer anderen Person gibt, führt lt. ARAC-Experten nicht dazu, dass seine Haftung ausgeschlossen ist.

Allerdings hätte der Tierarzt im konkreten Fall besonders vorsichtig sein müssen. Da er dies nicht war, konnte er nur einen Teil der geltend gemachten Schäden ersetzt verlangen.

Liebe Grüße

BeitragVerfasst: 10. Aug 2012 09:49
von Blume
das ist sehr interessant, Gerda ... Danke, jetzt bin ich noch mal ein Stück besser informiert

BeitragVerfasst: 10. Aug 2012 17:06
von margot
Haftung auch bei fremder Betreuung war mir grundsätzlich bekannt. Bei diesem Fall hab ich jetzt trotzdem mal kurz geschluckt, denn wenn ich meinen Hund einem Profi anvertraue, der tagein, tagaus mit Tieren umgeht, würde ich blauäugig erwarten, dass der sein eigenes Handeln an der möglichen Gefährdung orientiert.
Beruhigt war ich, als sich herausstellte, dass das bei der Schadenshöhe, die der TA geltend machen konnte, berücksichtigt wurde.

Die Haftung ergibt sich daraus, dass die Tierhalterhaftung eine Gefährdungshaftung ist. Der Gedanke dahinter ist, dass von einem Tier per se eine potenzielle Gefahr ausgeht. Wenn diese sich manifestiert, haftet der Halter, auch wenn er keine Schuld trägt. Gefährdungshaftung = Haftung auch ohne Verschulden.

BeitragVerfasst: 12. Aug 2012 18:40
von anne
margot hat geschrieben:Haftung auch bei fremder Betreuung war mir grundsätzlich bekannt. Bei diesem Fall hab ich jetzt trotzdem mal kurz geschluckt, denn wenn ich meinen Hund einem Profi anvertraue, der tagein, tagaus mit Tieren umgeht, würde ich blauäugig erwarten, dass der sein eigenes Handeln an der möglichen Gefährdung orientiert.
Beruhigt war ich, als sich herausstellte, dass das bei der Schadenshöhe, die der TA geltend machen konnte, berücksichtigt wurde.



Margot, jep davon bin ich auch ausgegangen. Also von einem Tierarzt erwarte ich schon anderes Verhalten.

BeitragVerfasst: 13. Aug 2012 21:47
von Hildegard
Das ist dann wohl so ähnlich wie beim Auto, wenn da ohne meine Schuld einem Fussgänger oder Radfahrer etwas passiert bin ich ja auch mit dran, eben weil ich ein Auto habe.

Das ist einleuchtend, aber trotzdem erstaunlich. Wäre auch nicht auf die Idee gekommen, dass das bei Tierbehandlungen so ist.